
Wasserstoff aus Wasserkraft: EnBW und naturenergie weihen zweite Produktionsanlage in Wyhlen ein
Grenzach-Wyhlen. Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und die naturenergie hochrhein AG (naturenergie) haben im Forschungsprojekt Reallabor H₂-Wyhlen eine weitere Anlage zur Herstellung von Wasserstoff eingeweiht. Die Erweiterung hat eine elektrische Leistung von fünf Megawatt (MW) und ergänzt die bestehende 1-MW-Anlage. Damit verfügt der Standort über eine der größten Produktionskapazitäten für Wasserstoff in Süddeutschland. Beide Anlagen erzeugen Wasserstoff mit Strom aus dem benachbarten Wasserkraftwerk und sollen künftig Industrie- und Mobilitätskunden in der Region versorgen.
„Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein für ein Energiesystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien. Dafür setzt die EnBW bereits heute auf flexible, wasserstofffähige Kraftwerke. Diese ergänzen in Zukunft die Erneuerbaren und sichern so die Stromversorgung auch bei Dunkelheit und Flaute“, sagt Prof. Dr. Wolfram Münch, Leiter Forschung und Entwicklung der EnBW. „Gemeinsam mit der naturenergie und unseren Forschungspartnern haben wir wertvolles Wissen aufgebaut, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen und den Einsatz der Technologie im industriellen Maßstab voranzubringen.“
Neue Technologie ergänzt bewährtes Verfahren
Klaus Müller, Vorstand der naturenergie, ergänzt: „Dank der vorhandenen Infrastruktur und der kurzen Wege zwischen Wasserkraftwerk, Wasserstoffproduktion, Speichern und Netzen haben wir in Wyhlen ideale Voraussetzungen, um die gesamte Prozesskette im Zusammenspiel weiterzuentwickeln. Mit dem Reallabor sammeln wir wichtige Erfahrungen für den Wasserstoffbetrieb im Großformat und schaffen die Grundlage für den kommerziellen Betrieb der Anlage.“
Technisch arbeiten Bestand und Neubau nach demselben Prinzip: Bei der sogenannten Elektrolyse wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Im Betrieb zeigt sich jedoch ein Unterschied. Während der ältere Elektrolyseur für einen gleichmäßigen Dauerbetrieb ausgelegt ist, lässt sich der neue schnell hoch- und herunterfahren. So kann er seine Produktion flexibel an das jeweilige Stromangebot anpassen. Das ist vor allem dort ein Vorteil, wo die Erzeugung aus Wind und Sonne wetterbedingt schwankt.
Bund fördert Reallabor mit 15 Millionen Euro
Im Reallabor H₂-Wyhlen untersuchen EnBW und naturenergie gemeinsam mit Forschungspartnern seit 2021, wie sich Wasserstoff effizient herstellen lässt und worauf es im laufenden Betrieb ankommt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat das Projekt im Programm „Reallabore der Energiewende“ mit 15 Millionen Euro (Mio. Euro) unterstützt. Rund 9 Mio. Euro sind auf den Erweiterungsbau entfallen.
„Wasserstoff ist ein Schlüsselbaustein für Klimaneutralität, Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Wertschöpfung. Wir brauchen Wasserstoff für den Erfolg der Energiewende und für mehr Resilienz. Deshalb ist es entscheidend, dass wir den Wasserstoffhochlauf beschleunigen, indem wir Förder- und Finanzierungsbedingungen verbessern, Regulierung vereinfachen und Leitmärkte unterstützen“, sagt Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium und Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Waldshut. „Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel, wie Unternehmen mit ihren Innovationen zum Gelingen der Energiewende beitragen. Deshalb unterstützt die Bundesregierung hier auch mit Fördergeldern. Außerdem schaffen wir Planungssicherheit, zum Beispiel mit einer Wasserstoffquote im Verkehr.“
Ende Juli hat der neue Elektrolyseur erstmals Wasserstoff erzeugt. Derzeit werden unter realen Betriebsbedingungen weitere Anlagenteile wie Gasaufbereitung, Verdichter und Speichersysteme schrittweise getestet und hochgefahren. Zur Erweiterung der Anlage gehören neue stationäre Speicher für bis zu 3,8 Tonnen Wasserstoff. Die Speicherkapazität steigt damit auf rund 5 Tonnen. Zu den drei bestehenden Abfüllstationen kommen vier neue hinzu, an denen der Wasserstoff in Druckbehälter auf Lkw abgefüllt wird.
Die technische Inbetriebnahme soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Nach einem Probebetrieb übernimmt die naturenergie den kommerziellen Betrieb. Mit dessen Beginn endet auch das Reallabor H₂-Wyhlen.
Die neue Wasserstoffanlage ist ein wichtiger Bestandteil der Standortentwicklung, bei der naturenergie das Gelände des Wasserkraftwerks zum naturenergie Campus Wyhlen ausbaut – mit einer Heizzentrale, Photovoltaikanlagen und einem neuen Hauptgebäude mit Büro-, Betriebs- und Veranstaltungsräumen.
H₂-Wyhlen in Zahlen
- Standort: Wasserkraftwerk Grenzach-Wyhlen
- Leistung: neuer PEM-Elektrolyseur mit 5 MW, bestehende Anlage mit 1-MW-Alkali- Elektrolyseur
- Stromversorgung: Wasserkraft aus dem Laufwasserkraftwerk Wyhlen (38,5 MW Leistung)
- Baubeginn: zweites Quartal 2024
- Einweihung: 1. Oktober 2026
- Kommerzieller Betrieb: Anfang 2027
- Verwendung: Wasserstoff soll Industrie- und Mobilitätskunden in der Grenzregion Deutschland, Schweiz und Frankreich versorgen
- Stationäre Speicherkapazität: rund 5,1 Tonnen
- Abfüllplätze: sieben Abfüllplätze mit unterschiedlichen Druckstufen
- Gesamtprojektkosten: rund 40 Millionen Euro; Förderung BMWE rund 15 Millionen Euro
- Künftige Betreiberin der neuen Anlage: naturenergie hochrhein AG
- Status: technische Inbetriebsetzung, Probebetrieb steht bevor
Bild- und Filmmaterial unter: Einweihung PtG-Anlage in Wyhlen
Link zur Projektseite:Reallabor H₂-Wyhlen | EnBW
Förderprogramm BMWE:Reallabore der Energiewende
Über das Reallabor H2-Wyhlen
Das Reallabor H2-Wyhlen ist eines der Gewinnerprojekte im BMWE-Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ und wurde mit rund 15 Millionen Euro gefördert. Seit 2021 forschen die naturenergie hochrhein AG (naturenergie) und die EnBW Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) gemeinsam mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), der Holzapfel Group und der Dialogik gGmbH an der effizienten Produktion von Wasserstoff aus Elektrolyse mit Strom aus Wasserkraft. Die EnBW hat im Reallabor die Gesamtprojektleitung übernommen und die Forschung koordiniert. Die naturenergie betreibt das Wasserkraftwerk, die bestehende und künftig auch die neue Wasserstoffanlage. Der Abschluss des Forschungsprojekts ist ein weiterer Baustein in der Entwicklung des Areals zum naturenergie Campus Wyhlen. Dort entsteht neben einer bereits fertiggestellten Heizzentrale und Photovoltaikanlagen auch ein neues Hauptgebäude mit Büro-, Betriebs- und Veranstaltungsräumen. Energie Campus Wyhlen
Über die EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Mit rund 31.500 Mitarbeiter*innen ist die EnBW eines der größten Energieunternehmen in Deutschland und Europa. Sie versorgt rund 5,5 Millionen Kund*innen mit Energie und ist auf allen Wertschöpfungsstufen von der Erzeugung über den Handel bis hin zum Netzbetrieb und den Vertrieb von Strom, Wärme und Gas aktiv. Im Zuge der Neuausrichtung vom klassischen Energieversorger zum nachhaltigen Infrastrukturunternehmen sind der Ausbau der Verteil- und Transportnetze für Strom, Gas und Wasserstoff sowie der erneuerbaren Energien Kernpunkte der EnBW-Wachstumsstrategie und Schwerpunkt der Investitionen. Bis 2030 plant die EnBW bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren, rund 85 Prozent davon in Deutschland. Bis dahin sollen rund 80 Prozent des EnBW-Erzeugungsportfolios aus erneuerbaren Energien bestehen. Dies sind zentrale Meilensteine auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel für die unternehmenseigenen Treibhausgasemissionen im Jahr 2040. enbw.com
Über die naturenergie hochrhein AG
Die naturenergie hochrhein AG ist ein deutsch-schweizerisches Unternehmen mit Hauptsitz in Rheinfelden, das als regionaler Partner Menschen, Kommunen und Unternehmen zum nachhaltigen Leben und Wirtschaften in Südbaden und der Schweiz befähigt. Das Unternehmen gestaltet mit ganzheitlichen Energielösungen die Rahmenbedingungen für die Transformation des Energiesystems. Es erzeugt und vertreibt erneuerbare Energie aus Wasser- und Sonnenkraft. Die Herkunft des Stroms wird über entsprechende Herkunftsnachweise dokumentiert. Das Produkt- und Dienstleistungsportfolio umfasst die Bereiche Photovoltaik, Wärme, Bauen und Wohnen sowie Elektromobilität. Die naturenergie hochrhein AG ist Teil der naturenergie holding AG, die im Jahr 2025 mit knapp 1.500 Mitarbeitenden einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Sie ist eine Beteiligungsgesellschaft der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. naturenergie.de
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