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Interview

Was den EBIT beeinflusst

Das Halbjahresergebnis ist nun veröffentlicht. Im Interview spricht Klaus Müller, Leiter Corporate Services, über einzelne Kennzahlen und Zusammenhänge.

PostED express:  Betriebsertrag gestiegen, Periodengewinn auf Vorjahresniveau. Aber trotzdem ist der EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, gesunken. Wie passt das zusammen?
Klaus Müller: Der Betriebsertrag stieg wegen der höheren Großhandelspreise. Die gestiegenen Großhandelspreise wirken sich zweifach auf unser Ergebnis aus. Und zwar sowohl positiv als auch negativ. In positiver Hinsicht erhöht sich unser EBIT, weil die Vermarktungserlöse der eigenen Erzeugung steigen, auf der anderen Seite sind die Kostenbelastungen im Vertrieb höher, weil wir für eingekauften Strom mehr bezahlen müssen. Dies führte im ersten Halbjahr zu einer Ergebnisbelastung, weil wir diese Kosten über Preispassungen erst allmählich an die Kunden weitergeben können. Dazu kommt noch, dass die Produktion im ersten Halbjahr deutlich geringer war als im Vorjahr.

 

PostED express: Ab wann wirken sich die steigenden Großhandelspreise endlich bei uns richtig aus? Wie läuft der Mechanismus?
Klaus Müller: Wir gehen davon aus, dass die Effekte der hohen Großhandelspreise sich ab diesem Jahr ordentlich in unserem Ergebnis niederschlagen, ab dem kommenden Jahr sollte das sogar noch besser werden. Gemäß unseres Beschaffungsreglements sichern wir unsere Produktion zum aktuellen Preisniveau ab. Das heißt, wir profitieren bei steigenden Preise erst zeitverzögert. Umgekehrt sind wir bei sinkenden Preisen länger und besser abgesichert.

 

PostED express: Immer wieder verhageln die Zinsen unser Ergebnis. Warum sind wir so von der Zinsentwicklung im Kapitalmarkt abhängig?
Klaus Müller: Für die Personalvorsorge in Deutschland müssen wir Rückstellungen bilden. Diese werden mit dem aktuellen Zinssatz bewertet. Dieser Bewertungseffekt fließt bei der Energiedienst-Gruppe direkt in den EBIT. Das heißt: Zinsen runter, Ergebnis runter, aber auch Zinsen hoch, Ergebnis hoch.

 

PostED express: Im vergangenen Jahr haben wir als Kenngröße den Adjusted EBIT eingeführt. Was ist das?
Klaus Müller:  In erster Linie können wir so die Effekte aus der Personalvorsorge Deutschland eliminieren. Denn wir bereinigen das Ergebnis. So können wir besser erläutern, wie unser Geschäft operativ läuft. Wir rechnen diese Zinseffekte also einfach heraus.

 

PostED express:  Kann man das so einfach?
Klaus Müller: Nach dem Reglement der SIX, also der Schweizer Börse, dürfen wir Effekte herausrechnen, die nicht operativ sind. Natürlich müssen wir dazu Regeln einhalten. Deshalb leiten wir den Adjusted EBIT auch transparent jedes Halbjahr neu aus dem EBIT ab und zeigen dies im Geschäfts- beziehungsweise Halbjahresbericht.

„Wir gehen davon aus, dass sich die hohen Stromgroßhandelspreise ab diesem Jahr ordentlich in unserem Ergebnis niederschlagen.“

Klaus Müller, Leiter Corporate Services

PostED express: Zurück zu den Zahlen: Wie haben sich die einzelnen Geschäftseinheiten entwickelt? Was sind die Gründe?
Klaus Müller:  Fangen wir mit der Geschäftseinheit Deutschland an: der Adjusted EBIT liegt um 5,8 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau. Geringere Produktion und noch nicht weitergegebene höhere Strombeschaffungspreise im Vertrieb sind die Gründe. Diese beiden Effekte allein machen 6 Millionen Euro aus.

Der Adjusted EBIT der Neuen Geschäftsfelder ist mit -3,2 Millionen Euro nach wie vor negativ. Das Vorjahr war aber wegen Sondereffekten um 1,5 Millionen Euro schlechter. Denn es waren Rückstellungen für die Entwicklung eines Energiedatenmanagementsystems nötig.

Die Geschäftseinheit Schweiz profitiert von den gestiegenen Strompreisen eher als die Geschäftseinheit Deutschland. Im ersten Halbjahr liegt der Adjusted EBIT bei 2,3 Millionen Euro und ist 1,8 Millionen Euro höher als im Vorjahr. Die EnAlpin-Gruppe erwirtschaftet ihr Ergebnis produktionsbedingt hauptsächlich im zweiten Halbjahr.

 

PostED express: Wie sieht unsere Einschätzung für das gesamte Jahr aus?
Klaus Müller: Unser Ergebnis hängt maßgeblich von der Stromerzeugung ab und die natürlich von der Wasserführung. Also bei normaler Wasserführung und stabilisierten Kapitalmarkt können wir mit einem besseren Ergebnis als im Vorjahr rechnen.


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