Auszubildende und Studierende bei energiedienst: Wie traf sie die Corona-Pandemie?

Während der Theoriephase an der Universität, im Auslandspraktikum in Slowenien oder in der Praxisphase bei energiedienst - Wie und wo haben Studierende und Auszubildende den Lockdown erlebt und wie gehen sie mit der Situation um? Wir haben gefragt:

  • Wie hast du den Lockdown erlebt?

  • Wann und wo hat er dich erwischt?

  • Wie gehst du persönlich mit der Situation um?

  • Wie war/ist dein Tagesablauf seit Corona?

  • Was hat sich in der Berufsschule/DHBW seitdem für dich geändert?

  • Worauf freust du dich am meisten, wenn sich die Situation wieder normalisiert hat?

 

Sarah Adamek, Auszubildende zur Industriekauffrau

"Ich erlebte den Lockdown als geschenkte Zeit. Ich konnte mich mehr auf die Prüfungen vorbereiten. Außerdem konnte man mal zu Ruhe kommen und soziale Kontakte über andere Medien aufrechterhalten. Erwischt hat es mich im Alltag. Die Situation nehme ich so an, wie sie ist. Klar ist es nicht so toll, dass man Freunde und Familie nicht sehen kann aber man hat Zeit um neue/andere Sachen auszuprobieren. Mein Tagesablauf beginnt mit dem Aufstehen und Frückstücken. Dann lerne ich, esse zu Mittag und lerne wieder. Die Berufsschule war geschlossen, wie auch die anderen Schulen in Baden-Württemberg. Seit dem 11.05.2020 habe ich wieder Schule. In der Schule gilt beim Ankommen und Verlassen des Gebäudes eine Maskenpflicht. Außerdem sind wir nur die Hälfte der Klasse (8 Schüler). Zudem haben sich die Abschlussprüfungen verschoben. Am meisten freue ich mich auf Sachen, die ich zur Zeit nicht machen kann, z.B. reisen oder meine Großeltern treffen.

 


Dominik Vetter & Markus Münzer, Elektroniker für Betriebstechnik, Donaueschingen

"Die erste Einschränkung erfolgte am 16. März durch die Schließung der Lehrwerkstatt. Die Aufgabe mussten von zuhause bearbeitet werden, was das ganze natürlich etwas schwieriger machte, da wir nicht wie gewohnt ohne Einschränkungen auf unseren Ausbilder zurückgreifen konnten. Mittlerweile sind wir wieder seit Anfang Mai in der Lehrwerkstatt. Natürlich nur unter weiteren Einschränkungen, wie z. B. abwechselnd in Schichten und natürlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes. Der Unterricht der Berufsschule wurde auf online umgestellt. Die Aufgaben müssen zuhause selber erlernt und bearbeitet werden. Wir freuen uns, dass wir bald wieder unsere sozialen Kontakte pflegen können und auf die Vereinstätigkeiten."

Julius Oldag, Auszubildender Elektroniker für Betriebstechnik, Rheinfelden

Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig aber nach ein paar Tagen bin ich sehr gut mit der Lage klargekommen. Die Zeit während dem Lockdown war gut erträglich, da wir schon vorherige Maßnahmen wie z.B das vorbereiten von Aufgaben und Lernprogrammen für diesen Fall getroffen hatten. Natürlich war die Ausgangssperre ungewohnt und ich musste mich erst mit der Situation abfinden. Der Lockdown war nicht stressig und ich konnte mich mit den Aufgaben gut zurechtfinden. Am 16. April gegen 15:30 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass wir wohl aufgrund der aktuellen Lage ein paar Tage/Wochen daheimbleiben müssen und unsere Arbeit bzw. Aufgaben von daheim zu erledigen hatten. Ich nehme es eher gelassen und versuche das Beste draus zu machen. Es ist wohl das Beste sich nicht verrückt zu machen und in der Situation fokussiert zu bleiben. Es hat sich natürlich einiges geändert. In der Zeit in der ich daheim war, bin ich später aufgestanden als normal. Wir hatten eine Vereinbarung, so dass alle Auszubildende ab 10 Uhr erreichbar waren und wir unsere erledigten Aufgaben unserer Ausbilderin zuschickten, um bei Fehlern die Aufgaben nachbesprechen zu können oder um neue Aufgaben zu erhalten. Der Unterricht findet natürlich nicht mehr in der Berufsschule statt, die Aufgaben kann man dann online auf der Website der Schule abfragen und erledigen. Der Ordner mit Aufgaben der zu Verfügung steht, wird immer aktualisiert und es werden neue Aufgaben hinzugefügt. Bei Fragen kann man sich über E-Mail an die Lehrer wenden. Nach dem Lockdown freue ich mich endlich wieder mit meinen Freunden etwas unternehmen zu können und endlich wieder normal nach Draußen zu gehen.


Anika Kownatzki, Wirtschaftsingenieurswesen – Innovations- und Energiemanagement, Rheinfelden

"Vor allem am Anfang war der Lockdown sehr chaotisch. Als ich die Nachricht bekam, dass die Universität aufgrund von Corona geschlossen wird, wusste ich nicht, wie es weitergeht. Muss ich jetzt in den Betrieb (Praxisphase) zurück? Wird mein Semester verschoben? Wie sollen die Vorlesungen ablaufen? Wie sieht es mit meinem Abschluss aus? Diese und noch weitere Fragen, haben mich zu der Zeit beschäftigt und keiner wusste die Antwort. Auch die verschiedenen Anweisungen der Partnerbetriebe bei Bekanntgabe der Universitätsschließung sorgten für Chaos. Einige Betriebe, darunter auch der energiedienst, haben erstmal auf weitere Anweisungen bzw. Informationen seitens der DHBW abgewartet und haben in keiner Weise die Freistellung der Studenten für die Theoriephase angefechtet. Andere Partnerbetriebe hingegen haben den Studenten die Anweisung gegeben, zurück zur Arbeit zu kommen. Sie argumentierten damit, dass man aufgrund der nicht möglichen Präsenz an der Uni keine Freistellung für die Theoriephase nötig hätte und man daher arbeiten kommen sollte. Diese unterschiedlichen Handhabungen bzw. Anweisungen der Partnerbetriebe haben uns Studierenden ziemlich verwirrt."

"...Schlussendlich hat dann die DHBW eingegriffen und nochmal darauf hingewiesen, dass wir auch trotz Schließung der Universität weiterhin in der Theoriephase sind und daher vom Betrieb freizustellen seien. Im weiteren Verlauf des Lockdowns gab es noch Unsicherheiten, aufgrund mangelnder oder immer wieder neuen Informationen. Dadurch war die Planungssicherheit kaum gegeben. Einige Informationen die uns an einem Tag zugetragen wurden, waren am nächsten Tag wieder veraltet oder wir haben teilweise kaum Informationen bekommen. Außerdem hat man sich selber neuen Problemen gegenübergesehen, wie z.B. Internetproblemen und/oder Dozenten, welche überhaupt keine Ahnung hatten, wie man das Programm für die Vorlesung (Microsoft Teams, Cisco etc.) verwendet. Mittlerweile hat sich jedoch alles etwas eingespielt bzw. geklärt und es läuft größtenteils reibungslos.

Mich hat der Lockdown am Anfang des 6. Semester erwischt. Ursprünglich wollte ich für mein 6. Theoriesemester nach Bad Mergentheim zur Universität fahren. Ein Tag vor der Abfahrt kam jedoch die Meldung, dass die Universität geschlossen wurde. Es ist recht schwierig sich mit der Situation zurecht zu finden. Ich versuche mich weitestgehend Zuhause aufzuhalten. Anstatt mich mit meinen Freunden zu treffen skype ich mit ihnen. Beispielsweise mach ich jede Woche eine Skype Konferenz mit ein paar Freunden aus meinem Studium, um sich ein wenig auszutauschen. Ich telefoniere und schreibe aber natürlich auch regelmäßig mit meinen Freunden. Ich gehe jedoch auch immer wieder mit einer Freundin spazieren, um nicht völlig den Lagerkoller zu bekommen. Mein “Vorteil“ ist, dass ich aufgrund der Universität recht auf trapp gehalten werde und ich daher keine Langeweile habe. Es ist interessant wie kreativ man wird, wenn man sich vor dem Lernen drücken will :-), da findet man immer etwas anderes zu tun :-).

Ein normaler Tag sieht bei mir so aus, dass ich um 8 Uhr aufstehe und frühstücke. Dann habe ich von 9 – 16:30 Uhr Onlinevorlesung mit einer Stunde Mittagspause dazwischen. Um dann den Kopf wieder frei zu bekommen gehe ich nach der Vorlesung noch spazieren. Danach arbeite ich an meinen Projektarbeiten oder an den Hausaufgaben weiter. Meistens arbeite ich so bis 19/20 Uhr noch was für die Uni. Am Ende des Tages schaue ich dann noch Netflix und esse noch etwas.

Normalerweise hätte ich Präsenz-Vorlesungen in einem Klassenraum. Aktuell habe ich alle Vorlesungen Online. Hierfür verwenden wir verschiedene Software wie beispielsweise Microsoft Teams, Cisco etc.. Auch die Online Vorlesungen sind Präsenz-Vorlesungen d.h. die Vorlesung findet per live Stream statt und wir Studenten müssen uns rechtzeitig in das Programm einwählen. Von den Vorlesungszeiten her hat sich für mich nichts geändert. Wir haben weiterhin von 9 – 16:30 Uhr Vorlesung (nur halt online). Des Weiteren wurden viele Prüfungen umgestellt, sodass wir nun statt einer Prüfung eine Hausarbeit schreiben müssen. Das ist für manche Vorlesungen gar nicht mal schlecht. Der Rest der Prüfungen finden als Onlineklausuren statt.

Am meisten freue ich mich darauf, meine Freunde wieder zu treffen. Auch wenn ich mit meinem Freunden regelmäßig telefoniere, skype oder schreibe, vermisse ich es, mich persönlich mit ihnen zu treffen. Außerdem freue ich mich wieder darauf reisen zu können – selbst wenn es nur innerhalb Deutschlands wäre."

 

 


Corinna Müller, Elektronikerin für Betriebstechnik, Rheinfelden

Während unseres Auslandspraktikums in Slowenien durften wir ab Donnerstag Morgen nicht mehr in die Firma bei der wir waren. Die Geschäftsleitung dieser Firma hat uns dann darum gebeten noch am selben Tag nach Deutschland zurück zu fahren. Sie konnten uns nicht garantieren ob wir überhaupt noch nach Hause kommen. Die slowenischen Grenzen wurden dann am Freitag geschlossen. Am Montag haben wir vorsorglich alles für den Lockdown in der Lehrwerkstatt vorbereitet. Mittags kam dann die Nachricht. Durch unsere Vorbereitung konnten wir gut gerüstet mit Aufgaben in den Lockdown starten. Am 16.März 2020 wurde um 15:30 Uhr unsere Lehrwerkstatt geschlossen. Nach dem Auslandspraktikum hatte ich mich schon wieder auf die Arbeit, meine Familie, Freunde und Vereinskammeraden gefreut. Die Freude wurde dann aber ziemlich schnell getrübt. Jedoch fiel es durch unsere gute Vorbereitung leichter mit der Situation umzugehen. Die Betreuung durch unsere Ausbilderin war auch sehr gut gewährleistet. Bei Fragen konnten wir uns immer bei ihr melden. Wir hatten feste Zeiten vereinbart zu denen wir bei WhatsApp oder Skype online sein sollten. Außerdem haben wir uns per Facetime für Besprechungen oder Unterweisungen verabredet. Bei Fragen konnten wir unserer Ausbilderin auch jederzeit schreiben oder anrufen. Somit war immer eine gute Versorgung mit Aufgaben, sowohl von der Schule als auch der Lehrwerkstatt, gewährleistet. Durch die festgelegten Zeiten entstand sehr schnell ein gutes Zusammenspiel aus Privatleben und Ausbildung. Die Schule musste auf die Schnelle auf ihrer Webseite Aufgaben zur Verfügung stellen. Diese sollten erledigt sein bis wir wieder Schule haben, was allerdings erst nach Pfingsten der Fall sein wird. Die Aufgaben wurden jedoch nur sehr selten aktualisiert. Nach dem Lockdown freue ich mich darauf alle meine Freunde und Verwandten wieder zu sehen, meinem Hobby wieder normal nachgehen zu können und auch wieder normal in die Lehrwerkstatt und die Schule gehen zu können.


Elena Macke, Auszubildende zur Industriekauffrau, Rheinfelden

"Anfangs hatte ich das Gefühl Corona sei noch so weit entfernt und würde uns persönlich nicht treffen. Doch man hat schnell gemerkt wie sich die Situation privat, wie auch in der Arbeit immer weiter anspannte. Plötzlich folgte eine Entscheidung auf die Andere. Man hatte viele Entscheidungen schon hervorgesehen, aber als die Meldung kam, dass wir Azubis nun auf ungewisse Zeit freigestellt werden, habe ich mich schon erst einmal etwas überrumpelt gefühlt. Der „normale“ Alltag war auf einmal weg und man wusste zuerst nicht wohin mit sich selbst. Mich hat der Lockdown in der Arbeit erwischt. Die Arbeitssituation war Mitte März schon sehr angespannt. Man wartete von Tag zu Tag nur auf weitere Entscheidungen und Beschlüsse. Ich habe in dieser Zeit im Lager gearbeitet und war somit nah an der technischen Ausbildung. Als ich dann gehört habe, dass die technischen Azubis freigestellt werden, wurde mir bewusst, dass mich das als kaufmännischer Azubi auch treffen kann oder wird. Am selben Tag haben alle Azubis dann noch die Nachricht von Anja bekommen, dass wir nun zum Schutz vor Corona von der Arbeit freigestellt sind."

„... Ich versuch das Beste aus der Situation zu machen und habe angefangen mich in vielen Hinsichten einfach umzustrukturieren. Da ich in meiner Freizeit eigentlich zweimal die Woche Handballtraining habe und auch noch Training für unsere Jugendmannschaft gebe, habe ich versucht mich mit täglichen Spaziergängen und Homeworkouts fit zu halten. Für meine Mannschaft habe ich ebenfalls Workouts zusammengestellt und wir haben versucht unsere Kinder mit einer Challenge „Trainer gegen Mannschaft“ weiterhin zu motivieren. Die restliche freie Zeit nutze ich um meinen Eltern im Haushalt mehr unter die Arme zu greifen und ich konnte mich besser auf meine eigentlich bevorstehende Projektkompetenz für die Schule zu konzentrieren.

Der Tagesablauf war sehr eintönig und hat sich teilweise sehr gezogen. Ich habe versucht mir täglich Aufgaben zu setzen, um motiviert und auch früh in den Tag zu starten (was teilweise auch schwieriger war als gedacht). Morgens bin ich oft mit unserem Hund eine große Runde spazieren gegangen oder habe mich anderweitig sportlich betätigt. Ich habe meiner Mutter im Haushalt geholfen und habe auch meinen Opa beim wöchentlichen Einkauf unterstützt. Meine sozialen Kontakte habe ich so gut es geht eingestellt und wir haben uns nicht persönlich, sondern dann bei einer Skype-Konferenz zum „quatschen“ getroffen. Auf die Berufsschultage habe ich mich immer besonders gefreut, denn das war wie ein Stück Normalität für mich. Ich habe mich mit den anderen zwei Azubis aus meinem Lehrjahr im Betrieb getroffen und wir haben zusammen die Aufgaben der Lehrer erledigt. Ich hätte ja nie gedacht, dass der Berufsschultag zum Highlight der Woche wird :-).

An den Tagen an denen wir Berufsschule haben, hat sich nichts geändert. Wir haben trotzdem weiterhin an unseren üblichen Schultagen Unterricht, diesen zwar nicht persönlich und in der Schule, sondern digital am PC. Wir bekommen von unseren Lehrern per Mail Aufgaben, die wir dann für diesen Tag erledigen müssen. Bei manchen Lehrern müssen wir die erledigten Aufgaben online stellen, damit sie diese kontrollieren können. In den Unterrichtszeiten standen uns die Lehrer dann auch für Fragen zur Verfügung. Donnerstags, an meinem festen Schultag, habe ich mich immer mit den anderen zwei Azubis aus meinem Lehrjahr im Betrieb getroffen, sodass wir zusammen an den Aufgaben arbeiten konnten. Das lief sehr gut und man hat gemerkt wie wichtig der Austausch mit den anderen Azubis ist. Da viele organisatorische Fragen aufkamen, hatten wir auch mit zwei Lehrern eine Video-Konferenz, bei der wir alle wichtigen Fragen klären konnten. Ich denke das ist eine gute Lösung, um den Unterricht weiterhin aufrecht zu erhalten und man lernt seine Selbstständigkeit weiter zu entwickeln.

Ich freue mich besonders auf meine Freunde, mein Team und darauf wieder mehr erleben zu können! Wie zum Beispiel am Wochenende ausgehen zu können, ein Eis in der Stadt essen zu gehen oder einfach mal in die nächste Stadt zu fahren, um mal etwas Anderes als das eigene Haus zu sehen. Ich bin auch sehr froh, wenn ich meine regelmäßigen Trainingszeiten wieder habe und zusammen mit meiner Mannschaft trainieren kann. Ich denke gerade in Zeiten von Corona merkt man das soziale Kontakte eine sehr große Bedeutung haben."