Zur Themen-Übersicht

Interview: So sicher ist die Stromversorgung

Auch über die Stromversorgungssicherheit wird aktuell viel diskutiert. KOMMpakt hat beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nachgefragt. Antworten auf einige wichtige Fragen.

 

Ist mit größeren Stromausfällen, gar einem Blackout in diesem und dem nächsten Winter zu rechnen?

Der BDEW hält einen Blackout für sehr unwahrscheinlich. Es könnte aber zu Situationen kommen, in denen regional kurzfristig abgeschaltet werden muss. Das wäre jedoch kein klassischer Stromausfall, sondern ein kontrollierter Eingriff, um die Netze zu stabilisieren, damit die Versorgung deutschlandweit gesichert ist.

 

Wie bereitet sich die Energiewirtschaft auf kritische Situationen vor?

„Die Energiewirtschaft steht in engem Austausch mit der Bundesregierung und tut alles dafür, dass es nicht zu kritischen Situationen in der Energieversorgung kommt“, bekräftigt der ­Bundesverband. So soll das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG) Vorsorge für eine Gasmangellage treffen, indem mit Kohlekraftwerken zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten für den Markt zur Verfügung gestellt werden. Bei Unternehmen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, wie Krankenhäusern sowie Trinkwasserversorgern und Abwasserentsorgern, sind ohnehin Notstromaggregate vorhanden.

 

Bringen die LNG-Terminals, die im Januar betriebsbereit sein sollen, auch für die Stromversorgung neue Sicherheit?

Die Experten des BDEW begrüßen ausdrücklich, dass die Bundesregierung der Realisierung von LNG-Terminals nun ein „überragendes öffentliches Interesse“ einräumt und die gesetzlichen Grundlagen geschaffen hat, um ihren Bau zu beschleunigen. Je früher diese zur Energieversorgung beitragen können, desto besser.

 

Welche Rolle spielt der Ausbau erneuerbarer Energien zur Überwindung der momentanen Energiekrise?

Erneuerbare Energien tragen dazu bei, kurzfristig das Stromangebot zu erhöhen und damit die Preise zu senken und langfristig unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Deshalb fordert der Branchenverband, dass ihr schleppender Ausbau dringend beschleunigt wird. Dauerhaft unabhängiger zu werden, heiße aber auch, jetzt sämtliche Weichen in Richtung Ausbau der Erneuerbaren zu stellen. Der BDEW appelliert, dass so schnell wie möglich mehr Flächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen ausgewiesen werden. Im Wärmesektor fordert der Verband eine beschleunigte Altbausanierung und die Ablösung fossiler Technologien durch klimaneutrale Systeme. Zudem müssen die Bedingungen für Netzausbau und Wasserstoff-Hochlauf schnellstens verbessert werden. Das Motto könne nur noch heißen: „Beschleunigung jetzt.“

 

Bild: Der BDEW rechnet im Winter mit keinen lang andauernden, größeren Ausfällen.


Zur Themen-Übersicht